Laudatio (Günter Graf):

…Beginnen wir nun im Zentrum: dem Haus, den Häusern – jeder von uns hat bei diesen Begriffen unmittelbar Assoziationen, Vorstellungen und Bilder, denn das Leben findet doch in und um die Häuser statt.

Lassen Sie die Häuser, die in ihrem Leben eine Rolle spielten, vor ihrem inneren Auge vorüberziehen. Was aber macht Herbert Stehle als Bildhauer? Er abstrahiert die Vielfalt aufs Äußerste, auf den Typ von Haus, den wir seit der Jungsteinzeit kennen (Pfahlbauten am Bodensee).

So sieht das Haus aus. Reichhaltigkeit gewinnt der Bildhauer durch Material und seine Bearbeitung.

Die ist für das Auge und die Hand reizvoll und abwechslungsreich. Eigentlich kann uns das schon genügen;

es ist ein wichtiger Aspekt im digitalen Informationszeitalter. Aktiv sehen, tasten, spüren ist eine Herausforderung! Schon auf dieser Ebene sind vielfältigste Entdeckungen zu machen!

Doch soll auch das Denken hinzukommen, das sich an der Skulptur entzündet…

…Seine Arbeiten sind körperhafte Zeichen- Male – die Empfindungen auslösen. Dadurch, dass er unsere gewohnte Vorstellung, unsere Bilder vom Haus und seinen Elementen in Frage oder gar auf den Kopf stellt,

indem eine Treppe nicht hineinführt oder vor der Wand endet, das Haus so steht, dass man ein Rutschen erlebt [usw.], erleben wir unsere Befindlichkeit. Es ist ein Paradox, denn Häuser sind eigentlich Hüllen für Räume,

die innen sind, in denen dann vielgestaltiges Leben ist. In H St Häuser ist uns nicht nur der Zugang verwehrt.

Sie sind kein Bild oder Modell eines Hauses, wir befinden uns gegenüber und doch fordern sie uns heraus unseren eigenen Innenraum wahrzunehmen. Das ist unsere eigentliche „Behausung“.

„Behaustsein“ als Lebensgefühl, keine Architektur, in die man hineingehen kann, auch kein Modell. Dieses Lebensgefühl wird durch Herbert Stehles Arbeiten befragt, hinterfragt und in Frage gestellt - auch mit Humor…